Über die Herzschmerzen
Viel hab ich geschrieben über Land und Leute, Reisen, Arbeit und Freizeit. Wenig darüber, wie es mir selbst hier so geht. Für alldiejenigen von Euch, die schon vom Kultuschock gehört haben – ich denke, ich habe diesen alten Herrn hier das erste Mal wirklich zu spüren bekommen. Ganz klassisch war am Anfang alles super. Alles aufregend, alles neu – ich war beschäftigt mit sehen, riechen schmecken und so weiter. Aber circa nach einem Monat, als der Alltag sich einschlich und aller Besuch abgereist war, kam dann doch so etwas wie ein Loch. Das Gefühl, dass sich keiner wirklich dafür interessiert, ob wir nun hier sind oder nicht. Dass unsere Arbeit nicht wirklich Sinn macht. Dass alle am Anfang von Partys und gemeinsamen Ausflügen gesprochen hatten, derartiges aber nie stattgefunden hatte. Dass keiner außerhalb der Arbeit wirklich Zeit mit uns verbringen wollte. Dass mein Liebster mir furchtbar fehlte. Und wohl am schlimmsten für mich: dass ich diese verfluchte Sprache nie im Leben lernen würde. Dass ich Vokabeln büffeln könnte ohne Ende und dennoch nichts verstehe würde, wenn mich jemand anspricht.
Zur Krönung sagte dann noch einer meiner Arbeitskollegen „Du musst Dich mit unserer Sprache wirklich mehr anstrengen“. An dieser Stelle nicht zu weinen und abzuhauen hat mich einiges an schauspielerischen Fähigkeiten und Selbstkontrolle gekostet. Und dann bin ich auch noch krank geworden. Fieber und drei Tage im Bett in der Fremde. Hervorragend!
Bevor alles ganz schwarz wirkt, muss ich betonen: die Tatsache, dass Lars und ich gemeinsam hier sind, die Tatsache, dass wir uns so gut verstehen und die lockere Art mit der Lars einfach allem entgegen tritt haben dafür gesorgt, dass es mir nie wirklich schlecht ging.
Nach jedem Kulturtief geht es wieder bergauf und so saßen wir eines abends im Restaurant und unterhielten uns darüber, wie schwer es ist, zu den Bosniern wirklich Kontakt herzustellen. Da kam der Kellner an unseren Tisch, doch anstatt „Darf es noch etwas sein?“ fragte er „Woher kommt Ihr beiden denn? Ich war während des Krieges in Deutschland. Ich wollte schon lange mal wieder mit jemandem Deutsch sprechen. Morgen habe ich meinen freien Tag. Wollen wir uns treffen?“. Ab dem Moment wurde alles nur noch immer besser. Plötzlich feierten die Bosnier mit uns – und zwar so richtig. Plötzlich führte ich mein erstes Gespräch mit einem fremden Angler an einem See – einfach so. Plötzlich machte unsere Arbeit wieder Sinn, denn es war schön zu sehen, dass die Jugendlichen immer wieder kamen und an unseren Kursen teilnahmen. Plötzlich erhielten wir einfach so Besuch bei uns zuhause – sie kamen mit einer Flasche Rakija unter dem Arm und blieben die ganze Nacht. Und unsere Nachbarin weinte, weil es so traurig sei, dass wir nur so kurz blieben. Plötzlich waren wir zuhause.
Und jetzt – jetzt ist es einfach nur unvorstellbar, dass wir wieder gehen sollen. Heute sind es noch zwei Tage. Nachdem ich einige Zeit die „erledigten“ Tage in meinem Kalender durchgestrichen hatte, kann ich sie jetzt einfach nicht am verstreichen hindern. Aua...
charlie
Zur Krönung sagte dann noch einer meiner Arbeitskollegen „Du musst Dich mit unserer Sprache wirklich mehr anstrengen“. An dieser Stelle nicht zu weinen und abzuhauen hat mich einiges an schauspielerischen Fähigkeiten und Selbstkontrolle gekostet. Und dann bin ich auch noch krank geworden. Fieber und drei Tage im Bett in der Fremde. Hervorragend!
Bevor alles ganz schwarz wirkt, muss ich betonen: die Tatsache, dass Lars und ich gemeinsam hier sind, die Tatsache, dass wir uns so gut verstehen und die lockere Art mit der Lars einfach allem entgegen tritt haben dafür gesorgt, dass es mir nie wirklich schlecht ging.
Nach jedem Kulturtief geht es wieder bergauf und so saßen wir eines abends im Restaurant und unterhielten uns darüber, wie schwer es ist, zu den Bosniern wirklich Kontakt herzustellen. Da kam der Kellner an unseren Tisch, doch anstatt „Darf es noch etwas sein?“ fragte er „Woher kommt Ihr beiden denn? Ich war während des Krieges in Deutschland. Ich wollte schon lange mal wieder mit jemandem Deutsch sprechen. Morgen habe ich meinen freien Tag. Wollen wir uns treffen?“. Ab dem Moment wurde alles nur noch immer besser. Plötzlich feierten die Bosnier mit uns – und zwar so richtig. Plötzlich führte ich mein erstes Gespräch mit einem fremden Angler an einem See – einfach so. Plötzlich machte unsere Arbeit wieder Sinn, denn es war schön zu sehen, dass die Jugendlichen immer wieder kamen und an unseren Kursen teilnahmen. Plötzlich erhielten wir einfach so Besuch bei uns zuhause – sie kamen mit einer Flasche Rakija unter dem Arm und blieben die ganze Nacht. Und unsere Nachbarin weinte, weil es so traurig sei, dass wir nur so kurz blieben. Plötzlich waren wir zuhause.
Und jetzt – jetzt ist es einfach nur unvorstellbar, dass wir wieder gehen sollen. Heute sind es noch zwei Tage. Nachdem ich einige Zeit die „erledigten“ Tage in meinem Kalender durchgestrichen hatte, kann ich sie jetzt einfach nicht am verstreichen hindern. Aua...
charlie
4 Comments:
was für ein schöner blog - macht jedem, der vorhat in die Fremde zu gehen Mut!
Freu mich schon wenn du wieder da bist...wie wärs Montag (18.12.)abend mit Weihnachtsmarkt und danach spielen bei mir? (falls ihr das lest: das richtet sich auch an Lasse, Alex und Roland - hab ich jemanden vergessen?)
Alles Liebe,
Sophie
Mensch, ich finde es auch furchtbar, daß ihr wieder zurück nach Hause fährt... Deshalb weil ich euer Blog so gerne gelesen habe! Werdet ihr weiter schreiben oder...?
Habe Deine ganzen Blogs gelesen, Charlie, jetzt muss ich zumindest einmal einen Kommentar abgeben: Gelesen habe ich sie ja meistens aus so einer Art "Pflichtgefühl" heraus (... wenn die Charlie einen dazu schon extra auffordert, naja, dann les' ich's halt) ... aber immer wenn ich fertig war, hatte ich - je nach Artikel - entweder ein Schmunzeln im Gesicht oder feuchte Augen. Manchmal beides. Möchtest Du nicht vielleicht Kolumnistin werden?
Freu mich riesig, Dich wiederzusehen,
Roland
P.S.: Hi Sophie, hätte große Lust auf Montag, hab' da nur schon ne Einladung - aber vielleicht lässt sich das irgendwie arrangieren ... ihr spielt doch bestimmt länger, oder?
Ja, wahrscheinlich deshalb ist es
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