Nachbarschaft

Eine der vielen positiven Überraschungen hier in Bosnien ist die herzliche Art, in der die Nachbarn miteinander umgehen. Hier gibt es schon fast keinen Abend an dem wir für uns selber kochen müssen. Allzu oft steht eine lächelnde Nachbarin vor der Tür mit einem vollgepackten Teller für uns. Selbstgemachtes Burek und Krompirusa, Ajvar, Baklava, Honig, Kekse und gefüllte Paprika haben wir schon bekommen. Der absolute Höhepunkt: Eines abends kamen wir von der Arbeit und unser Nachbar grillte gerade ein Hünchen mit Kartoffeln vor dem Haus. Wir bestaunten das Werk höflich – und zehn Minuten später stand er strahlend mit dem GANZEN Huhn vor unserer Tür. Zum Abendessen.
Neben dem Essen muss man natürlich auch den Kaffee noch erwähnen. Einladungen zum bosnischen Kaffee erhält man immer und überall (der eigentlich türkischer Kaffee heisst, aber wie die Bosnier zu Recht bemerkten: in der Türkei trinken ja alle Tee). Leider kann ich mich nur mit den netten Nachbarköchinnen und –köchen kaum verständigen. Meistens grinse ich und lasse ein lautes Mhhhmmmm verlauten. An guten Tagen frage ich auch auf Bosnisch, wie sie das nur hingekriegt haben. Dann folgt das Kochrezept, von dem ich allerdings leider nur die Gesten verstehen kann.
Zum Dank habe ich mir also vorgenommen auch zu Backen und die netten Leute zu beschenken. Das sagt mehr als Worte. Erstes Problem dabei – ich habe keine Rezepte. Mama anrufen lassen! Zweites Problem: Was heisst Hefe, gemahlene Haselnüsse und Puderzucker auf Bosnisch? Einkaufsliste mit Wörterbuch machen! Drittes Problem: Wie kriegt man ganze Haselnüsse gemahlen? Hab sie in mein Kopftuch (für den Moscheebesuch) eingewickelt und mit einem Stein LANGE draufgehauen. Viertes Problem: keine Waage. Schätzen! Die erste Ladung ist mir leider im bosnischen Turbooven verbrannt, aber dann gings. Anschliessend bin ich stolz mit meinen Tellerchen zu den Nachbarn.
Als Reaktion kamen Unmengen von Baklava ins Haus geflattert. Vielleicht aus Mitleid. Denn über meine Plätzchen hat nie jemand ein Wort verloren. Aber sie lächeln und grüssen weiter. Und ich liebe diese Nachbarn!
charlie
P:S: Schöne Grüsse an meine Regensburger (Horror)Nachbarschaft.
9 Comments:
Ach meine süsse, macht doch deinen berühmten apple crumble, damit kriegst du sie bestimmt!!!!
viel spass mit den Jungs und alles Liebe aus Regensburg!
Judith
Hi Lars,
weisst doch, dass du immer egal wo du bist und was du gerade tust auf meine Unterstützung zählen kannst!!!
Finde euer Projekt auch ehrlich spannend und regt dazu an sich mal wieder intensiver mit einem "nicht so populären" Teil der Welt bzw. Europas auseinanderzusetzen. Wünsche euch alles erdenklich Gute und finde euren Blog eine wirklich tolle Idee, so kann ich wenigstens auch ein wenig an eurem Leben und dem Projekt teilhaben!
Liebe Grüsse aus München,
Nina
Mein lieber Lars,
mit Freude habe ich auf Eurer Seite die tagebuchähnlichen Beiträge gelesen.
Viele interessante Sachen schriebt ihr da!
Süß fand ich auf jeden Fall die Geschichte mit dem Backen und überhaupt dem
ganzen Essen und die Gastfreundlichkeit der Menschen.
Das erinnert mich sehr an meine Sommer auf der Krim, wo ich ähnliches erleben
durfte. Ich musste herzhaft lachen über Euren Versuch, Backwaren herzustellen
und diese dann an den Mann zu bringen! ;-)
Das kann ich mir bildlich sehr gut vorstellen!
Falls Du Rezepte Brauchst, sag Bescheid, ich besorge Dir ein typisch deutsches
Rezept! ;-)
Ciao, Joerg
Hi Lars! Kannst ja mal Thüringer Klöse machen ;-)
Gruß aus Minga
Andreas
mit rezepten könnte ich auch noch dienen. die geschichte erinnert mich an zwei sachen:
1) als ich "nüdeli" einkaufte, um eben "nüdelisuppe" mal machen zu können (gerade im winter sehr praktisch und in büros in denen es als einzige küchenausstattung wasserkocher gibt. äh, die amüsierten sich in jenem büro ziemlich, denn was ich als "nüdeli" gekauft hatte, ist eigentlich jene backzutat, mit der die im türkisch-bosnischen raum diese gebackenen zuckerfäden macht, die so zuckersüß sind, das man sie kaum runterkriegt ohne einen liter wasser nachzugießen.
2) jene unsägliche geschichte, als ich mit wörterbuch bestvorbereitet "stärke" kaufen wollte. die puddingpackung im laden half schließlich weiter (meine aussprache war der sache leider nicht ausreichend dienlich), solange uich auf kartoffeln - ja quasi 100 % stärke - zeigte, war der verkäufer nur noch mehr verwirrt. naja, stärke hatte er eh nicht, pudding hätte er mir noch verkauft, aber da hätte ich die restinhaltsstoffe glaub nicht rausgefiltert gekriegt. musste es doch mehl tun.
übrigens: bringt herrliche und auch saisonale tees mit!
herzliche grüße euch,
joha
Hi Lars,
da glaubt man doch fast, die Tanten da unten könnten dir den Kopf verdrehen... Wie es aussieht, hast du die neue Herausforderung gefunden, die du gesucht (und gebraucht!!!) hast und wie immer meisterst du diese super. Ich bin stolz auf dich! Nachdem ich Athen und Antalya nun verlassen habe und heute den ersten Tag wieder in Berlin bin, merke ich doch, welchen Einfluss bereits meine erste Reise über das AA auf mich hat, es waren sehr lehrreiche und aufgeschlossene 3 Wochen. Ich freue mich schon auf die nächsten Auslandsaufenthalte, im Gespräch sind Rio, Moskau und Shanghai. Vielleicht geht meine frühere Rechnung doch auf, erst das Diplom in der Tasche haben und dann die Welt entdecken(auch wenn du wahrscheinlich nicht mehr daran geglaubt hast...)Ich freue mich für dich, dass du mit der Mentalität der Balkaner so gut zurecht kommst und auch wenn ich sicher ab und zu an meine Grenzen kommen werde (...was läuft denn da das Fenster runter...), so möchte ich hiermit versprechen, dass ich dich besuchen komme, falls du tatsächlich länger als geplant in der Ecke bleibst, also Belgrad wär gebongt!
Weiter so und viele Grüße auch an Charlie,
deine alte Freundin Carolin.
Hi Lars,
da glaubt man doch fast, die Tanten da unten könnten dir den Kopf verdrehen... Wie es aussieht, hast du die neue Herausforderung gefunden, die du gesucht (und gebraucht!!!) hast und wie immer meisterst du diese super. Ich bin stolz auf dich! Nachdem ich Athen und Antalya nun verlassen habe und heute den ersten Tag wieder in Berlin bin, merke ich doch, welchen Einfluss bereits meine erste Reise über das AA auf mich hat, es waren sehr lehrreiche und aufgeschlossene 3 Wochen. Ich freue mich schon auf die nächsten Auslandsaufenthalte, im Gespräch sind Rio, Moskau und Shanghai. Vielleicht geht meine frühere Rechnung doch auf, erst das Diplom in der Tasche haben und dann die Welt entdecken(auch wenn du wahrscheinlich nicht mehr daran geglaubt hast...)Ich freue mich für dich, dass du mit der Mentalität der Balkaner so gut zurecht kommst und auch wenn ich sicher ab und zu an meine Grenzen kommen werde (...was läuft denn da das Fenster runter...), so möchte ich hiermit versprechen, dass ich dich besuchen komme, falls du tatsächlich länger als geplant in der Ecke bleibst, also Belgrad wär gebongt!
Weiter so und viele Grüße auch an Charlie,
deine alte Freundin Carolin.
Interessanter Beitrag
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