Öffentliche Verkehrsmittel

Mein Bosnischkurs ist zu Ende. Es ist 21:00 Uhr am Mittwoch Abend und ich stehe an der Straße und warte auf den Bus nach Hause. Die Busse hier kosten nicht viel und fahren ziemlich regelmäßig – sind also ein angenehmes Verkehrsmittel. Lange muß ich auch nicht warten, schon nach wenigen Minuten biegt ein Bus um die Ecke. „Nachtbus“ steht auf seiner Anzeigetafel. „Logisch, um diese Uhrzeit“, denke ich und steige ein. Erst nachdem ich sitze fällt mir auf, dass „Nachtbus“ eine ungewöhnliche Bezeichnung für einen bosnischen Bus ist. Eigentlich sollte das „Nocni bus“ heißen.
Ähnliche Dinge passieren hier häufig. Wir sind schon mit Bussen gefahren, die nach „Schweinbach“ oder „Altendorf“ fuhren bzw „keen Dienst“ hatten. Natürlich nicht wirklich. Viele der Busse hier sind Spenden aus Deutschland, Österreich, der Schweiz oder den Niederlanden und die Anzeigentafeln hat niemand ausgewechselt. Ein kleiner Zettel an der Windschutzscheibe verrät dem aufmerksamen Beobachter das wahre Ziel des jeweiligen Busses.
Nicht nur innerhalb von Tuzla sondern auch in ganz Bosnien stellt der Bus das meistgenutzte öffentliche Verkehrsmittel dar. Zumindest dasjenige der armen Leute. Geld braucht man wenig, zum Bus fahren, aber eine unempfindliche Nase und viel Geduld. Bei meiner ersten Busfahrt dachte ich, warum stinken die Leute hier drinnen nur so? Dafür muß ich mich jetzt in aller Form entschuldigen. Es sind nicht eigentlich die Menschen. Es sind einfach die Busse selbst, die dringend eine Grundreinigung vertragen könnten. Und was die Geduld angeht: auf zwei von drei unserer Busreisen blieb der Bus bisher einfach für 50 Minuten stehen. Motor aus. Die Ursache dafür war nicht so klar ersichtlich, aber alle warteten einfach. Blieben ruhig sitzen oder freuten sich, dass Zeit für Zigaretten war. Es wurde geschwiegen, geduldig gewartetet und dann ging es weiter. Ganz ungewohnt für mich, dass keiner zu Toben und Fluchen anfing und lauthals betonte, wei eilig er es doch habe. Irgendwie beruhigend, dass auch in deutsche Busse mit dem Alter ein solche Ruhe einkehren kann.
charlie
3 Comments:
klingt ein bischen wie busfahren in malta...
Amüsant war für mich auch Eure Beschreibung des Reisemittel. Das kenne ich auch
auch dem dem Osten - Busse, die einfach während der Fahrt auseinander fallen und
dann in aller Seelenruhe repariert werden, ohne dass auch nur einer meckert! Die
haben da echt die Ruhe weg, aber was bleibt Ihnen auch anderes? Meckern würde ja
gar nichts nützen, man muss ja mit dem leben, was es gibt...und wenn es kaputte
Busse sind.
ciao, joerg
naja, "spende" ist gut. entsorgung wäre in d und den anderen ländern teuer. ich würde das auch nochmal überprüfen. ich denke zum teil wurden due auch billig oder unter der hand verkauft. wissen tue ich es nicht.
in bulgarien stehen übrigens unsere schönen alten und vor allem im vergleich zu "telefonsäulen" praktschen telefonzellen.
lg aus berlin
johanna
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